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Geheimnisvolles und Mythisches in Tirol

Geheimnisvolles und Mythisches in Tirol: Von der heilenden Quelle über die Teufelsmühle und die Geisterklamm bis hin zum Brandopferplatz – unser Bundesland präsentiert sich mit seinen zahlreichen Wallfahrtsorten, vielfältigen Sagengestalten und Legenden aber auch nachweisbaren Funden und Überlieferungen als spannendes Terrain, das es zu erkunden gilt. Ein Streifzug durch die geheimnisvolle und sagenumwobene Alpenregion.

Tipp 1:
Bären und Revolutionäre in der Tischofer Höhle bei Kufstein

Bären und Revolutionäre

Tischofer Höhle ©TVB Kufstein/Anatol Jasiutyn

Im Kaisertal befindet sich die wichtigste Fossilienfundstätte Tirols, nämlich die Tischofer Höhle, die nicht nur Bären als Unterschlupf, sondern angeblich auch Revolutionären als geheimer Treffpunkt diente. 40 Meter geht es in den geschichtsträchtigen Felsen hinein, welcher die Knochenreste von circa 380 Bären, ein paar Füchsen, Steinböcken, Wölfen, Rentieren, Höhlenhyänen, einer Gämse, eines Höhlenlöwen und eines Murmeltiers zu tage fördert. Die beeindruckende acht Meter hohe Höhle dürfte auch von Menschen bewohnt gewesen sein, da bearbeitete Knochenspitzen gefunden wurden, die auf circa 37.000 Jahre alt geschätzt werden. Die Gegend rund um Kufstein gilt damit wahrscheinlich als das älteste besiedelte Gebiet Tirols. Der Fund von Skelettteilen aus der Bronzezeit gibt den Forscherinnen und Forschern jedoch Rätsel auf. Im Jahre 1906 sind die menschlichen Überreste von 35 Menschen, die meisten davon Kinder und Jugendliche, geborgen worden, die hier zeitgleich verstorben sind. Der Grund bleibt ungeklärt. Später im Jahre 1809 galt die Tischofer Höhle als Treffpunkt und Waffenlager für Revolutionäre, die sich gegen die bayrische Besatzung auflehnten. Der Überlieferung nach, befand sich dort ein steinerner Tisch, der die Aufständischen dazu veranlasst haben soll, die Losung: „zum Tisch oba“ auszusprechen. Die Erklärung wie die Höhle also zu ihrem Namen kam, ist hiermit hinfällig.

Anfahrt über die A12, Ausfahrt Kufstein Nord, Kreisverkehr Richtung Ebbs, Hinweisschild „Kaisertal“ folgen und rechts einbiegen. Gehzeit: circa 40 Minuten

Tipp 2:
Heilende Quelle im Kloster Maria Waldrast bei Mieders

Wallfahrtsort Maria Waldrast

Kloster Maria Waldrast ©Tirol Werbung

In Tirol existieren zahlreiche Wallfahrtsorte zu denen die Menschen pilgern – einer davon ist das Kloster Maria Waldrast (ca. 1600 Höhenmeter) am Fuße der Zugspitze am Übergang vom Stubai- in das Wipptal. Im Jahre 1407 wurde mit dem Bau begonnen, nachdem Hirtenbuben ein Marienbildnis in einem Lärchenstamm an der heutigen Stelle des Klosters entdeckt hatten, so die Überlieferung. Im 16. Jahrhundert wurde dann eine Quelle gesichtet, der eine heilbringende Wirkung zugeschrieben wurde. Seither kommen Menschen aus nah und fern, um das Wasser der „rechtsdrehenden“ Quelle aus dem Marienbrunnen vor der Kirche in Kanister & Co. abzufüllen. Schaden tut’s auf jeden Fall nicht.

Zusammensetzung des Wassers laut einer Analyse der Universität Erlangen im Jahr 2004: Kalcium: 493,0 mg, Magnesium: 39,6mg, Natrium: 40,9 mg, Sulfat: 1060,0 mg, Hydrogen-Carbonat: 380,0 mg, Chlorid: 51,5 mg, Nitrat: 1,0 mg

Anreise über die A12 Richtung Innsbruck, bei Innsbruck weiter auf der A13 in Richtung Brenner/Italien, bei der Ausfahrt Schönberg/Stubaital (EXIT 13) rechts in Richtung Stubaital abbiegen. Mieders ist der erste Ort im Stubaital, dort links auf die Dorfstraße abbiegen und weiter bis ans Ortsende fahren. Von Mieders beträgt die Gehzeit (auf der Rodelstrecke) circa 1,5 Stunden. Auffahrt von Mieders mit der Serlesbahn (Gondelbahn) zur Bergstation Koppeneck (1.605 m) möglich.

Tipp 3:
Gespensterhaftes in der Leutascher Geisterklamm

Geiste und Kobolde in der Klamm

Geisterklamm ©Olympiaregion Seefeld

Der Legende nach, treibt in der Leutascher Geisterklamm der Klammgeist mit seinen Kobolden sein Unwesen und bewohnt dort die Höllenwasser, Geistergumpen und Hexenkessel der tosenden Leutascher Ache. Auf Schautafeln schildert der Klammbewohner Wissenswertes über sein geheimnisvolles Reich. Die begehbaren Stahlsteige führen zu herrlichen Ausblicken auf tosende Sprudel, rauschende Kaskaden und bizarre Felswände. Tolle Blicke bis zu 75 Meter in die Tiefe inklusive.

Drei Wege führen durch das Reich des Klammgeistes: der Klammgeistweg (3 Kilometer), der Koboldpfad (1,9 Kilometer) und der Wasserfallsteig (500 Meter). Der Klammgeistweg führt vom Parkplatz im Leutascher Ortsteil Schanz beziehungsweise vom alten Zollamt Leutasch nach 600 Metern in die Klamm. Gehzeit: circa 1,5 Stunden.

Der Koboldpfad hingegen startet vom Klammkiosk in Mittenwald über den Gletscherschliff in die Leutaschklamm und trifft dann dort auf der Panoramabrücke auf den Klammgeistweg. Gehzeit: circa 1 Stunde

Tipp 4:
Gebeine der Heiligen Notburga in Maurach am Achensee

Die Heilige Notburga

Notburga am See ©TVB Achensee/Tirolwerbung

Notburga am See zählt zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Tirols, denn hier ruht das Skelett der Notburga, der Heiligen für die armen Leute. Ihre Gebeine sind auf dem Hochaltar ausgestellt, um den Pilgerinnen und Pilgern als Reliquie zu dienen. Nicht umsonst wird ihr Andenken so geehrt, denn Notburga, die im 13. Jahrhundert lebte, war eine einfache Dienstmagd aus Rattenberg, welche sich für die Armen und Kranken einsetzte. Immer am 13. September findet in Eben die feierliche Notburgaprozession statt. Übrigens: Das Notburga-Museum in Eben in Maurach am Achensee hat sich ganz und gar ihrem Leben gewidmet.

Anfahrt mit der Achenseebahn ab Jenbach oder mit dem PKW von der Inntal-Autobahn A12, Ausfahrt Wiesing, dann der Achenseestraße (B 181) circa 6 km nach Eben folgen. In Eben links einbiegen. Nach etwa 120 Metern ist die Kirche auf der linken Straßenseite zu erkennen.

Tipp 5:
Brandopferplatz beim Naturparkhaus Kaunergrat

Kaunergrat

Naturpark Kaunergrat ©TVB Pitztal/Tirolwerbung

Prähistorisch wie römerzeitlich interessant wird’s im Bereich des Naturparkhauses Kaunergrat am Gachenblick, direkt an der Verbindungsstraße zwischen den Orten Kaunerberg & Fließ. Denn hier führte in der Bronzezeit eine der wichtigsten Alpenrouten über den Piller Sattel, um Handel zu betreiben. Vom Naturparkhaus kann man ein Stück des historisch bedeutsamen Weges begehen und einen Brandopferplatz erkunden. Funde beweisen, dass hier den angebeteten Göttern um circa 500 nach Christus zahlreiche Opfer dargeboten wurden. In der Bronze- und der älteren Eisenzeit wurden an diesem Ort vor allem Tiere auf dem Steinaltar geopfert. Das Muskelfleisch wurde verzehrt, während die restlichen Teile des Tieres für die Götter bestimmt waren. Diese wurden auf dem Altar verbrannt und vom Priester auf einen Aschehügel verteilt und die Knochen zerkleinert. Auf diese Weise wuchs der Aschehügel im Laufe der Jahrhunderte auf eine Höhe von 2,5 Metern an und weist einen Durchmesser von 15 mal 12 Metern auf. In der jüngeren Eisenzeit kamen vermehrt gegenständliche Opfer wie Waffen, Fibeln, Schmuck, Votivschilder oder Münzen hinzu. Auch in Felsspalten wurde geopfert, da diese als Zugang zu den Göttern galten.

A12 – Abfahrt Imst / Pitztal nach Arzl im Pitztal und weiter nach Wenns über die Piller Höhe, bei Kreuzung Richtung Kauns/Kaunerberg, dann ca. noch 500 m dem Straßenverlauf folgen

A12 – Abfahrt Reschenpass oder Landeck, B 180 nach Fließ über Bidenegg zur Piller Höhe,  bei Kreuzung Richtung Kauns/Kaunerberg, dann ca. noch 500 m dem Straßenverlauf folgen

Tipp 6:
Druiden und Feen im Silberwald bei Schwaz

Silberwald Tirol

Drei Stühle Silberwald ©Silberwald/Armin Wechselberger

Wer sich für die Welt der Kelten begeistert, der ist im im Silberwald im Schwazer Ortsteil Ried unter dem Eiblschrofen an der richtigen Stelle. Arkadische Haine wechseln sich hier mit geheimnisvollen Skulpturen und mythischen Plätzen an diesem von Menschenhand geschaffenen Ort ab. Hier gibt es ein eigenes Keltenwaldforum mit Druidenbaumsäule und Bronzekapitol sowie einen Elfenkristalldom aus Weidenzweigen mit eigenem Thron und einer Kuppel mit funkelnden Kristallen. Im sogenannten Reptilienland findet man eine Steinskulptur, wo sich heimische Echsen ansiedeln können. Und im „Hof der Ahnen“ wird für jeden verstorbenen Silberwald-Freund ein Menhir errichtet. Auch ein Turmbaumhaus gibt es zu entdecken. Aus den Ästen 17 kreisförmig angeordneter Rotbuchen entstand ein Spiralnetzwerk, auf dessen Krone sich ein Turmzimmer befindet.

Anfahrt über die Autobahn (A 12), Ausfahrt Schwaz, im Kreisverkehr auf die B171 Richtung Buch, Kreisverkehr Richtung St. Martin, am Friedhof vorbei Richtung Ried. Der Wald ist frei zugänglich.

Tipp 7:
Satanisches bei der Teufelsmühle in Aldrans

Die Teufelsmühle

Teufel ©pixabay.com/CC0

Dem Satan auf der Spur ist man bei einer Wanderung zur sogenannten Teufelsmühle zwischen Aldrans und Rinn. Der Sage nach, fehlte es einst einem Aldranser Bauern an Geld, um eine Mühle zu errichten. Der Teufel erklärte sich bereit auszuhelfen und versprach, die Mühle in nur einer einzigen Nacht bis zum ersten Hahnenschrei fertigzustellen. Im Gegenzug musste der Bauer dem Teufel seine Seele opfern. Anschließend machte sich der Satan daran, die Mühle zu erbauen und lag mit den Arbeiten gut in der Zeit. Es fehlte nur noch der große Mühlenstein, den er aus dem Inntal heraufschleppen musste. Als er am Herzsee vorbeikam, hörte man jedoch ein lautes Kikeriki  vom nahegelegenen Wiesenhof. Voller Wut schleuderte der Teufel den Mühlenstein ins Tal, wo er in tausend Trümmer zerschellte. Der Bauer aber lachte sich ins Fäustchen und nannte seinen neuen Besitz zu Ehren des höllischen Baumeisters „Teufelsmühle“.

Es führen viele Wege zur Teufelsmühle: Einer davon geht vom Ortszentrum Aldrans direkt auf den Wanderweg nach Rinn (Nr. 19), wo man bei der Teufelsmühle vorbeikommt.

Tipp 8:
Das Kasermandl auf der Umbrüggler Alm bei Innsbruck

Über 400 Jahre lang gibt es die Umbrüggler Alm bereits, die über Innsbruck auf der Nordkette auf circa 1.100 Metern thront. Nach vielen Hochs und Tiefs erlebte die Alm im Jahr 2015 schließlich ein Comeback und wurde neu errichtet. Die Almhütte glänzt nicht nur durch moderne Architektur in Holzbauweise, sondern lockt die Besucherinnen und Besucher durch die Legende des „Kasermandl“ an, das einst auf der Umbrüggler Alm gelebt haben soll. Sogar ein eigener Liedtext wurde zu Ehren des Kasermandl vom Tiroler Lieddichter Josef Pöll (1874–1940) zusammen mit dem „Stamser Luis“, dem damaligen Pächter der Alm gedichtet.

Anreise: Mit dem Bus oder der Nordkettenbahn auf die Hungerburg und von dort aus geht es weiter zur Alm. Gehzeit circa 30 Minuten. Alternativ auch vom Stadtteil Sadrach vom Planötzenhof über das Höttinger Bild erreichbar.

Mythisches in Tirol: Das Kasermandl

Skizze Kasermandl ©MB

Für alle jene, die die Sage vom Kasermandl nicht kennen oder sich diese in Erinnerung rufen wollen – hier die Kurzfassung:
Das Kasermandl lebte als Senner (Kaser) auf der Umbrüggler Alm. Mit den Erzeugnissen der Alm ging er aber nicht sehr fürsorglich um und veranstaltete unter anderem mit den Butterkugeln eine unangebrachte Kegelpartie. Aufgrunddessen folgte die Strafe auf dem Fuß und der Senner wurde dazu verdammt, nach seinem Tode, jeden Winter die verlassenen Almhütten unsicher zu machen. Nach dem Almabtrieb muss es auf die Almen, um dort bis zum Almauftrieb sein Unwesen zu treiben. Im Anschluss daran darf es laut Vereinbarung wieder ins Tal hinunter. Mancherorts ist das Strafmaß auch geringer ausgefallen: Das Kasermandl darf hier schon zu Martini, am 11. November wieder herunter. Es heißt: Wenn man dem Wesen begegnet und es einem das „Mus“ (einen Mix aus Dreck und Tierkot) anbietet und man dieses verzehrt, wird es von seinem schrecklichen Dasein erlöst und muss nicht mehr herumgeistern.

Und zu guter Letzt noch ein kleiner Buchtipp: „111 Orte in Tirol, die man gesehen haben muss“ von Susanne Gurschler

Mariella

Mariella

Sommerkind Mariella liebt ihr Tirol - In den warmen Monaten aber noch ein klein wenig mehr. Dann ist sie meist im Grünen oder gemütlich sitzend bei einem Kaffee in einem „Schanigarten“ anzutreffen. Verborgene Winkel daheim und in fernen Ländern zu erkunden, gibt ihr das Gefühl eine Entdeckerin zu sein.

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