Quelle: Stubaier Gletscher

Ein Tag im „Königreich des Schnees“ am Stubaier Gletscher

Um Innsbruck herum liegt schon länger kein Schnee mehr. Und trotzdem kann man in der Nähe noch immer in ganz und gar winterliche Atmosphäre eintauchen! Auch wir haben noch nicht genug vom Winter und machen uns mit dem Bus vom Innsbrucker Hauptbahnhof aus auf den Weg in das „Königreich des Schnees“. Wir, das sind meine Mitbewohnerinnen Franzi (19, Skifahrerin, fortgeschritten), Olga (23, Skifahrerin, leicht fortgeschritten), ihre Freundin und Besuch Anna (24, Skifahrerin, fortgeschritten) und ich (28, Snowboarderin, fortgeschritten).

Die Anreise

Vom Hauptbahnhof aus ist der Stubaier Gletscher unkompliziert und ohne Umsteigen mit dem öffentlichen Bus ST zu erreichen. Sieben Euro kostet die Hin- und Rückfahrt, die einfache Fahrt dauert etwa eine Stunde und 20 Minuten. Da wir früh losfahren und alle verschlafen sind, lässt sich diese Zeit noch wunderbar nutzen, um ein Nickerchen im Bus zu halten. Ab der Ortschaft Neustift kann es allerdings etwas eng werden. Zum Glück haben wir schon einen Sitzplatz. Aber alles halb so wild, denn die Urlauber sind meist in bester Stimmung und es geht entspannt zu, es wird viel gelacht und wir lauschen ihren lustigen Aprés-Ski-Geschichten vom Vorabend in der Mutterbergalm.

Auch eine Anreise mit dem Auto bis zur Talstation ist natürlich möglich: Wenn man von der Autobahn A13, die von Nord nach Süd zwischen Innsbruck und dem Brennerpass verläuft, kommt, nimmt man die Abfahrt ins Stubaital und kann bis an dessen Ende zur Mutterbergalm fahren, wo es kostenlose Parkplätze gibt. Allerdings ist eine Mautgebühr von 3€ pro einfacher Strecke fällig. An einem der unteren Parkplätze sehen wir eine große Baustelle: Hier entsteht die Talstation der neuen 3S Eisgratbahn, die im kommenden Oktober in Betrieb gehen soll und mehr Komfort für die Gäste verspricht, zudem wird dadurch der Pendelbusverkehr von diesen Parkplätzen bis zur Talstation Mutterbergalm reduziert.

Komfort der Extraklasse im Tal und am Berg

Ja, richtig gelesen: Es verkehren Pendelbusse zwischen den weiter unten gelegenen Parkplätzen und der Talstation. Obwohl ich nun schon öfter am Stubaier Gletscher war, bin ich immer wieder beeindruckt von dem Komfort, der einem hier geboten wird: An der Talstation gibt es ein Depot, in dem man sich Schließfächer verschiedener Größe mieten kann, dort gibt es auch Bänke zum Umziehen und man kann sich noch mit diversen Wintersportartikeln eindecken. Ausgerechnet ich habe vergessen, zuhause meine normalen Socken gegen Skisocken auszutauschen und bin froh, hier gleich zwei Paar zum Preis von einem zu bekommen. Last-Minute-Wintersport-Shopping sozusagen.

Pistenplan © Stubaier Gletscher

Pistenplan © Stubaier Gletscher

Es geht allerdings noch mehr „last minute“: Wir fahren mit der Gamsgartenbahn bis zur Station „Gamsgarten“ hoch, dem Dreh- und Angelpunkt des ganzen Skigebiets. Sogar hier gibt es einen Intersport-Shop. Und alles, was man sich eigentlich auf 2620 Metern Seehöhe nur schwer vorstellen kann: Einen Kindergarten (drinnen sowie draußen), ein extra Kinder-Restaurant sowie das Skischul-Areal, zwei Restaurants, Selbstversorgerraum, eine Bar und eine Skischule, das alles in einem Gebäude. Die ganze Gamsgarten-Station ist schon ein Erlebnis für sich! Praktisch, dass man auch hier seinen Rucksack kostenlos in Fächern abstellen kann, falls man Essen dabei hat. Draußen gibt es eine Aprés-Ski-Schirmbar, daneben einen Eiskletterturm, den man unter professioneller Aufsicht erklimmen kann. Hier kann man sich kaum mehr vorstellen, dass Skifahren einst eine Sportart war, die viel Wagemut erforderte, bei der man auf jeglichen Komfort verzichtete und sich der „rauhen Natur“ stellte. Gut, das mit der rauhen Natur sollten wir an diesem Tag auch noch erleben. Aber heutzutage ist für solche Fälle die High-Tech-Welt nicht mehr kilometerweit – beziehungsweise einige hundert Höhenmeter – entfernt. Die Sesselbahn Rotadl zum Beispiel hat Sitzheizung und Hauben, sodass wir den kalten Wind und das Schneetreiben um uns herum fast vergessen.

Optimale Pisten für alle

Wir drehen einige Runden auf der Piste 7, die besonders Olga und Anna gut gefällt, aber auch Franzi und ich als gute Fahrerinnen finden sie spitzenmäßig: Blau, breit wie eine Autobahn und super präpariert! Obwohl wir Schwierigeres fahren können, macht es uns auf blauen Pisten doch oft am meisten Spaß, wo man unbeschwert seine Schwünge ziehen und auch mal etwas schneller unterwegs sein kann. Sie ist im Pistenplan auch als „Comfortpiste für Familien und 50+“ gekennzeichnet ist, aber obwohl wir zu keiner dieser Zielgruppen gehören, finden wir: Eine klasse Piste für uns alle!

Blaue Piste Nr. 1 © Olga Zaranek

Blaue Piste Nr. 1 © Olga Zaranek

Endlich klart auch das Wetter auf und wir sehen mehr vom Skigebiet. Sehr gut gefällt uns auch die blaue Piste 4a und die rote Nr. 2, die von der Station Eisgrat hinunter zur Mittelstation Fernau führen. Auf der roten Piste bin ich alleine unterwegs, meine Kameradinnen bevorzugen weiterhin die blaue Alternative. Ich bin wortwörtlich fast alleine, es ist nichts los und ich kann richtig schön Gas geben und dabei auch noch gut meine Fahrtechnik üben. Die gleiche Strecke wollen wir gleich nochmal fahren und fahren mit der Gondelbahn Eisgrat und anschließend der Gondelbahn Schaufeljoch bis zum höchsten mit Gondeln erreichbaren Punkt, der Schaufelspitze auf ca. 3150 Metern Höhe. Von dort aus nehmen wir die blaue Piste Nr. 1, ebenfalls eine breite, flache, super auch für Anfänger geeignete „Autobahn“. Dabei kann man noch den Könnern zusehen, wie sie durch die Zeitmessstrecke jagen. Danach wieder auf die blaue 4, diesmal wage ich mich ein paar Meter neben die Piste, denn es hat frisch geschneit und dieser Abschnitt sieht perfekt aus, um ein bisschen zu „powdern“ (Tiefschnee fahren). Ich sollte Recht behalten: eine der besten Strecken, um gefahrlos ein bisschen Tiefschnee zu schnuppern. Keine gefährlichen Felsen im Weg und heute hat hier auch noch niemand seine Spur in die weiße Pracht gezogen, mein Tiefschneefahrer-Herz macht einen riesen Hüpfer!

Leckereien im Gamsgarten

Wieder an der Mittelstation Fernau angekommen, nehmen wir die Gamsgartenbahn und fahren hoch zur Gamsgarten-Station, denn es ist schon Mittag und wir alle haben ordentlich Hunger. Ich beschließe, für euch auch noch ein paar Meinungen über das Skigebiet von anderen Gästen einzufangen. In der Gondel unterhalten wir uns mit Gerd, einem 55jährigen Schweizer. Er ist mit seiner Familie hier, und das schon zum vierten Mal. Er lobt die Schneesicherheit, die breiten, langen Pisten und dass man an den Liften so wenig anstehen muss, die Gäste verteilen sich gut über das ganze Gebiet. „Man ist außerdem preislich so flexibel, es ist toll, dass es auch Karten z.B. ab 12 Uhr gibt, wenn mal nicht jeder den ganzen Tag fahren will (Skipasspreise seht ihr hier). Und das Essen ist auch super, die Auswahl wird nach vier Jahren auch noch nicht langweilig“, schwärmt er. Uns läuft schon das Wasser im Munde zusammen.

Wir beschließen, im Selbstbedienungsrestaurant Gamsgarten zu essen. Dort unterhalte ich mich noch mit Eva (39) aus England. Es ist bereits das achte Jahr, in dem sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern (10 und 5 Jahre) an den Stubaier Gletscher kommen. Sie finden besonders den Kindergarten und die Skischule für Kinder toll, denn hier könne man seine Kids ohne Bedenken abgeben, es sei alles sehr sicher und das Personal großartig. Auch der Kleine erzählt mir begeistert, dass er „coole Instructors“ hat. Noch dazu war der gratis Skipass für Kinder unter 10 Jahren ein Entscheidungskriterium. Dann geht es endlich an die Selbstbedienungstheke. Wir sind ebenfalls erstaunt über das große Angebot. Vor allem mir als Vegetarier imponiert die große Salattheke mit einer super Auswahl an Salaten und Zutaten. Wir nehmen einen Schnitzelteller, Frittatensuppe, Salat und Germknödel mit Vanillesauce. Allen schmeckt es super, auch preislich finden wir es okay. Lediglich das Schnitzel mit Beilagen finden wir mit fast 13€ etwas überteuert.

Fun im Park – der Stubai Zoo

Nach dem Essen machen wir uns auf zur „anderen Seite“ des Skigebiets, also auf die Seite „hinter“ der Bergstation Schaufelspitze. Hier ist es meist etwas „einsamer“, für mich die sozusagen „wildere“ Gegend des Gebiets. Wer dem wortwörtlichen Skicircus etwas entfliehen und weniger Menschen und Lifte sehen will, ist hier gut aufgehoben. Ich komme auch endlich dazu, den „Stubai Zoo“ (Name des Funparks) ein bisschen zu testen. Es gibt Obstacles (Hindernisse, Elemente) verschiedener Schwierigkeitsstufen, ich probiere die „easy line“ aus. Sie sind wirklich auch für komplette Anfänger einfach zu meistern und gut in Schuss, die Shaper (Personen, die für die Instanthaltung der Obstacles zuständig sind) leisten gute Arbeit.

Ein 50-50 über die Rainbow Box

Ein 50-50 über die Rainbow Box © Franziska Herb

Sehr praktisch ist auch, dass es einen Schlepplift gibt, der genau die Länge des Parks hat. Super für diejenigen, die auch mal nur im Park fahren wollen. Wir finden auch klasse, dass man sich nicht unbedingt aufteilen muss, wenn eine/r in der Gruppe eine Weile nur im Park fahren will, denn es gibt auch eine blaue Piste, die genau neben dem Park entlang führt. So können die Nicht-Parkfahrer auch noch die Kunststücke ihrer wagemutigen Kameraden mitverfolgen. Auf dieser Seite des Skigebiets gibt es allerdings größtenteils Schlepplifte (Zoo-Shuttle, Gaisskarferner, Windachferner), also nichts für Leute, die noch häufig aus dem Lift purzeln. Der Windachferner-Lift ist allerdings nicht schwierig und eine gute Möglichkeit, das Schleppliftfahren zu üben, ohne dass eine riesen Schlange hinter einem wartet. Daneben gibt es bei frischem Schnee auch eine kurze, aber herrliche Powder-Möglichkeit. Allerdings aufpassen, rechtzeitig wieder auf die andere Seite des Schlepplifts zu kreuzen! Wer zu weit fährt, muss sich durch den Tiefschnee wieder hochkämpfen, da hier das Skigebiet zu Ende ist.

Zum Abschluss in die Mutterbergalm

Zum Schluss nehmen wir die rote Piste 11 und anschließend eine unserer „Lieblinge“, wieder die blaue Nr. 4a zur Mittelstation und fahren von dort aus mit der Gondelbahn ins Tal. Ein super Tag am Gletscher geht zu Ende. Wir erinnern uns an die Geschichten der anderen Touristen aus dem Bus und müssen nicht lange überlegen: Wir lassen den Tag beim Aprés Ski an der Mutterbergalm ausklingen! Als wir ankommen, herrscht dort schon eine Mega-Stimmung, Lichtshow und Nebelkanonen sind im Einsatz. Wir gönnen uns Glühwein, schunkeln und beobachten die Menge, die schon mehr intus hat, beim ausgelassenen Feiern. Es scheinen Viele so einen guten Tag gehabt zu haben wie wir!

Fazit

Ein hochtechnisiertes Skigebiet, in dem man auf null Komfort und Service verzichten muss. Wir sind wirklich beeindruckt. Klasse, dass man auch überallhin auf blauen Pisten kommt, es bleibt einem also kein Teil des Skigebiets vorenthalten, wenn man nur blaue Pisten fahren will (außer der Daunjoch-Sessellift ganz am Rand, von dem aus es nur eine schwarze Piste gibt). Man läuft also auch nie Gefahr, irgendwohin zu kommen, von wo aus es nur eine schwarze Piste gibt. Und der Aprés Ski an der Mutterbergalm ist eh legendär… Wir kommen gerne immer wieder!

Aprés Ski in derMutterbergalm ist der Hit! © Julia Grieshammer

Aprés Ski in derMutterbergalm ist der Hit! © Julia Grieshammer

Julia

Julia

Ich studiere den Masterstudiengang Geographie in Innsbruck, ein wahnsinnig spannendes und vielfältiges Themenfeld. Von daher war ich wohl prädestiniert für diese Studienrichtung, denn mich interessieren (viel zu) viele Dinge, Landschaften und Menschen. Tirol hat mich schon immer mit seinem Mix aus Moderne und Traditionen begeistert.

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