Die Mauer, Copyright by Phillip Pichlbauer

Klettern im Stubaital

Es ist 6 Uhr früh. Die Sonne steigt langsam über den Horizont. Innsbruck, die Hauptstadt Tirols erwacht aus einem tiefen Schlaf. Zuerst ein Blick nach Norden, auf die Berggipfel der Nordkette. Danach nach Süden, auf die Königin des Stubaitals, die Serles. Links und Rechts dieser Gigantin brechen dunkle Rinnen in die Tiefe. Der Gipfel der Serles färbt sich in ein bezauberndes rotes Licht. Der Schein der Sonne wandert geruhsam weiter Richtung Talgrund des Stubaitals. Die Wiesen beginnen zu reifen und glitzern in ihrem feuchten Kleid. Die Wälder verbergen die letzte Dunkelheit der Nacht unter ihren Kronen. Irgendwann, wenn die warmen Sonnenstrahlen, die mit Blumen geschmückten Häuser der Stubaitaler Dörfer erreichen, beginnt auch dort das Leben.

Während du dich auf den Weg in das Stubaital machst, schwer bepackt mit deinem Rucksack, erfüllt dich dieses Szenario mit Glück. Du kannst es kaum erwarten, näher an die wilden Bergspitzen heranzukommen um endlich deine Kletterschuhe auszupacken und mit deiner Familie oder deinen Freunden einen schönen Tag zu erleben.

 

Kalkkögel

Berühmt-berüchtigt ist wahrscheinlich die beste Beschreibung, für diese außerhalb von Tirol wenig bekannte Gegend. Berühmt-berüchtigt ist nämlich der brüchige Fels, welcher die Kalkkögel auszeichnet. Berühmt-berüchtigt sind auch die alpinen Legenden wie Hermann Buhl, die vor einem halben Jahrhundert für die großen Berge der Welt, in den Kalkkögel harte Schule gelehrt bekommen haben.

Aus genannten Gründen, stellen die Kalkkögel auch heute noch eine Spielwiese für arrangierte Alpinisten dar. Zwar gibt es dank dem Lokalmatador Heinz Zack bereits einige alpine Sportkletterrouten, allerdings verlangen auch diese Linien eine starke alpine Moral. Alte Klassiker wie sie an der Riepenwand zu finden sind, warten noch heute auf Wiederholungen.

Wer sich auf ein Abenteuer in wilder und alpiner Umgebung erfreuen will ist in den Kalkkögel gut aufgehoben. Informationen gibt es allerdings nur wenige und so liegt es an einem selbst, Routenbeschreibungen und Topos aus dem Internet zu sammeln. Wer in seinem Bücherregal ein Exemplar von Andreas Orglers „Klettern in den Stubaier Alpen – Fels und Eis“ findet, der kann sich glücklich schätzen. Und zu letzt bekommt man auch auf der Adolf-Pichler Hütte, dem Stützpunkt für die meisten Touren einige Informationen. 

Pinnistal

Gerne wird das Pinnistal als das Tal der Eisfälle bezeichnet. Wenn man im Winter über die Rodelpiste zur Pinnisalm aufsteigt erkennt man bald worum es sich handelt. Zwischen steilen und abweißenden Felswänden ziehen wunderschöne Gebilde aus Eis in die Höhe. Auf zwei Ebenen wechseln sich dünne Säulen mit heiklen Eisschildern ab.

Wer glaubt bei guten Bedingungen im Pinnistal alleine zu sein hat sich allerdings getäuscht. Spätestens nach dem Kurzfilm „Frozen Ralley“ von Guido Unterwurzacher und Christian „Hechei“ Hechenberger wurde das Gebiet auch außerhalb von Tirol bekannt. Die vielen Möglichkeiten in fast allen Schwierigkeitsgraden sowie die alpine und wunderschöne Umgebung des Stubaitals machen den Aufenthalt in diesem Tal einfach unvergesslich.

Seit letztem Jahr kann man sich sogar im Sommer im Tal der Eisfälle austoben. Eis gibt es zwar kein Eis aber eine schöne Sportkletteroute von Christian „Picco“ Piccolruaz. Über die sogenannte Männerwand, welche im Winter vom Eisfall „Männer ohne Nerven“ dekoriert wird, zieht über 125 Meter die Route „Chief Pinnis“ in die Höhe. Die gesamte Tour ist mit Bohrhaken ausgerüstet und befindet sich im Grad 7+/8-.

Genauere Informationen zu den Eisfällen findet man im Internet auf der Plattform Climbers Paradise sowie im Buch „Eisklettern in Tirol“ von Axel Jentzsch-Rabl. Wer sich in der „Chief Pinnis“ austoben will, besucht am besten die Homepage von Christian Piccolruaz.

 

Fernau – Dresdner Hütte

Egal ob auf einem Kletterstieg oder in einer der Mehrseillängen Routen, der Ausblick von der warmen und südseitigen Wand oberhalb der Dresdnerhütte ist unbeschreiblich schön. Einzig die Anlagen der Stubaier-Gletscher-Bahnen passen nicht gut ins Bild dafür verkürzen sie den Zustieg ungemein.

Ein besonderes Erlebnis, ist es im Spätwinter mit Skiern zur Wand zuzusteigen. Beim Wechsel vom Skischuh zum Kletterschuh kann man die Skifahrer beobachten und fast könnte man meinen es handelt sich um ein Ameisenrennen. Wenn man allerdings versucht im Winter dort oben zu klettern, sollte man darauf achten einen schönen und sonnigen Tag zu haben, ansonsten könnt es schnell zu einem alpinen Abenteuer ausarten.

Wer noch keine Erfahrungen mit Mehrseillängen hat, kann auf einen der zwei ca. 200 Meter langen Klettersteige ausweichen. Beide Steige werden nach einem letzten Grataufschwung mit dem Gipfel des Egesengrates belohnt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, am Wandfuß auf einem kleinen Probeklettersteig seine Techniken zu verbessern.

Am Ende des Tages zahlt es sich aus eine Erfrischung auf der Dresdnerhütte zu sich zu nehmen und gemütlich den Abstieg oder die Abfahrt zurück zum Parkplatz anzugehen. Weitere Informationen und Topos findet man ebenfalls im Internet auf der Plattform Climbers Paradise.

 

Wandern und Bergsteigen im Stubaital

Franz-Senn Hütte, Nürnberger Hütte und Sulzenauer Hütte sind nur drei von etlichen Hüttenwanderungen, welche im Stubaital getätigt werden können. Die meisten Wanderungen führen durch schöne Täler und über gut begehbare Wege. Manchmal erblickt man sogar einen Wasserfall und kann eine kühle Abfrischung genießen.

Wem eine genüssliche Wanderung auf einer Berghütte nicht genügt, kann am nächsten Tag eine Gipfeltour auf einen der Stubaier 3000er unternehmen. Ist man sich nicht sicher ob man genügend Erfahrung für eine solche Unternehmung hat, empfiehlt es sich einen Bergführer aufzusuchen. Eine schöne Auswahl an Bergen welche man im Stubaital besteigen kann stellen die Stubaier Seven Summits dar. Genauere Informationen dazu findet man Stubaier Seven Summits.

Am Gipfel der Schaufelspitze © Phillip Pichlbauer

Am Gipfel der Schaufelspitze © Phillip Pichlbauer

 

Viel Spaß beim Klettern und Gipfel sammeln!

Phillip

Phillip

Mein Name ist Phillip Pichlbauer und ich bin 18 Jahre alt. Meine Heimat ist Tirol, genauer gesagt Innsbruck, und die meiste Zeit meines Lebens verbringe ich in den umliegenden Bergen. Am liebsten beim Klettern, Bergsteigen oder Skitouren gehen. Zurzeit besuche ich noch die Tourismusschule Villa Blanka, doch sobald ich meinen Abschluss in der Hand habe werde ich die Berge der Welt bereisen und versuchen die Bergführer Ausbildung zu meistern.

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